KONRAD MICHEL, MD
Main Interests
Dr. med. Konrad Michel ist emeritierter Prof. der Universität Bern, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist weiterhin tätig als praktizierender Psychiater in Spiez, Kanton Bern, und ist ein international gefragter Experte für Suizidprävention.
Dr. Michel war Mitarbeiter der WHO/Euro Multicenterstudie zu Suizidalem Verhalten. Er hat zahlreiche klinische Forschungsprojekte durchgeführt, die sich vor allem mit der therapeutischen Beziehung zwischen Arzt und suizidalen Patienten befassen.
Zusammen mit Ladislav Valach, PhD, hat Konrad Michel ein Modell zum Verständnis suizidalen Verhaltens entwickelt, das auf der Theorie des zielgerichteten Handelns und der narrativen Interviewführung basiert. Konrad Michel ist auch der Initiator der Aeschi-Arbeitsgruppe – einer internationalen Gruppe von Klinikern und Forschern, die sich der Verbesserung der klinischen Suizidprävention durch die Entwicklung und Förderung patientenorientierter Modelle zum Verständnis suizidalen Verhaltens widmete. Gemeinsam mit David A. Jobes hat er ein Fachbuch mit dem Titel „Building a Therapeutic Alliance with the Suicidal Patient“ herausgegeben, das aus der „Philosophie“ der Aeschi-Konferenzen entstanden ist.
Basierend auf einem patientenzentrierten Behandlungsmodell entwickelte er in Zusammenarbeit mit Anja Gysin-Maillart, Ph.D., eine Kurzzeittherapie für Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben (ASSIP – Attempted Suicide Short Intervention Program). ASSIP besteht aus nur drei Therapiesitzungen, gefolgt von regelmässigen Briefen über zwei Jahre. Die Wirkung wurde in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 120 Patienten und einer Nachbeobachtung von 24 Monaten untersucht. Die Gruppe, die zusätzlich zur üblichen Behandlung mit ASSIP behandelt wurde, hatte im Vergleich zur Kontrollgruppe ein um 80% geringeres Risiko, suizidales Verhalten zu wiederholen.
In einer neurobiologischen Studie wurde der narrative klinische Ansatz in einer fMRI Studie eingesetzt, in der die Gehirnaktivität im Zusammenhang mit suizidalen Krisen untersucht wurde. Weitere Interessengebiete sind die Medienberichterstattung über Suizid, sowie Untersuchungen über frühe Konfrontation mit dem Thema Suizid und späterem suizidalen Verhalten.
Konrad Michel ist aktiv als Dozent und Supervisor. Er ist Autor des 2023 in den USA erschienenen Buches «The Suicidal Person – A new look at a human phenomenon».
Building a Therapeutic Alliance with the Suicidal Patient
Edited by Konrad Michel, MD , and David A . Jobes, PhD, ABPP
Pages: 414
ISBN: 978-1-4338-0907-1
Copyright: 2011
Format: Hardcover
List Price: $29.95 ASSIP – Attempted Suicide Short Intervention Program
Michel Konrad/Gysin-Maillart Anja
A Manual for Clinicians
ISBN: 978-0-88937-476-8
2015, x + 114 pp.
Print edition print edition CHF 54.50
Hogrefe.com
Leseprobe (PDF)
Frühere Suizidversuche sind der Hauptrisikofaktor für weiteres suizidales Verhalten. ASSIP ist ein neuartiges Interventionsprogramm mit vier Sitzungen, gefolgt von halbstandardisierten Briefen über zwei Jahre für Patienten, die nach einem Selbstmordversuch behandelt werden.
Das Hauptziel von ASSIP ist die Entwicklung einer kollaborativen Arbeitsbeziehung, um die Motivation des Patienten zu erhöhen, in zukünftigen suizidalen Krisen individuelle Sicherheitsstrategien anzuwenden. Zu den therapeutischen Konzepten gehören narrative Interviews, Videokonfrontation, eine schriftliche Hausaufgabe, die Formulierung individueller Vulnerabilitäten und suizidaler Triggersituationen, individuelle Sicherheitsstrategien, einschliesslich einer personalisierten Notfallkarte, und regelmässige schriftliche Kontakte über zwei Jahre hinweg.
ASSIP wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 120 Patienten mit einer 24-monatigen Nachbeobachtung evaluiert. Die Studie ist als Open-Access-Publikation in PLOS Medicine verfügbar.
Eine in Archives of Suicide Research publizierte Studie zeigte, dass bei ASSIP-Patienten die Qualität der therapeutischen Beziehung über zwölf Monate hinweg mit einer Reduktion der Suizidgedanken verbunden war.
Konzeptpapier zu ASSIP in: International Journal of Environmental Research and Public Health, 2017,14(3), 243.
Eine Studie der London School of Economics (LSE), die in JAMA Network Psychiatry, veröffentlicht wurde, fand, dass ASSIP sehr kostensparend ist. Die Studie zeigte, dass ASSIP, einschliesslich der Schulungskosten, mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 % weniger kostet und wirksamer ist als die herkömmliche Behandlung.